Fahrradfahren: alleine, mit der Familie, in einer Gruppe ...

... das Erlebnis ist immer ein anderes und stark geprägt vom eigenen Naturell.

Fahrradfahren alleine und unabhaengigAlleine bestimmt man Streckenlänge, den Verlauf, Pausen, das Ziel und vor allem sein eigenes Tempo. Alleine fährt man ungezwungen, ohne Sorge die Vorderfrau zu drängen oder den Hintermann zu bremsen, kein ständiges Tempo anpassen, nicht immer die Hand an der Bremse oder die Zunge auf dem Vorderrad um nicht abgehängt zu werden. Keine Ablenkung beim Genießen von Landschaft, Sonne, Fahrtwind, Wegen und Kurven und: keiner drängt und niemand quengelt - außer man selbst. In sportlicher Hinsicht auch ideale Trainigsvoraussetzungen.

Mit dem Partner, der Partnerin oder den Kindern ist's unterhaltsam und gesellig. Aber es ist unbedingt gegenseitige Rücksichtnahme angesagt. Es bestimmt der oder die Schwächste Tempo, Pausen und Streckenlänge. Ein Muß!

Der Schnellste sollte nie derart vorfahren, daß hinter ihm mit Zunge raus 100% gefahren werden muß. Es könnte die letzte gemeinsame Tour gewesen sein und für das ein oder andere Fahrrad dessen letzter Einsatz (nach Jahren des Kelleraufenthalts sperrmüllverdächtig!).

Ob Freizeit oder sportllich ambitioniert: Fahren in der Gruppe ist Teamwork. Es kommt nicht darauf an, wie schnell man fährt, sondern dass man fährt. Die Männer müssen den Frauen nicht wie so oft zeigen, was sie so drauf haben, den Weg vorgeben und Tempo ziehen, deutlich machen, wer der Fittere oder Stärkere ist. Das kann durchaus beeindrucken, im allgemeinen nimmt es aber die Freude am Radfahren und führt bei den Gehetzten zu verspannten Schultern, Rückenschmerzen und großer Abneigung vor einer weiteren Radtour.

Bleiben Sie als die Stärkeren vor allem dann, wenn es am anstrengesten ist, mit den weniger Leistungsstarken zusammen. Fahren Sie bewußt hinter her. Alleiner kann man kaum sein, wenn die Mitfahrer einem im Berg gnadenlos davonziehen und damit Freude und Motivation nehmen. Es reicht, wenn man gegen den Berg anfahren muß und demoralisiert, wenn auch noch gegen die Mitfahrer.

Nutzen Sie in der Gruppe möglichst Radwege. Die sind nicht immer bequemer aber sicherer und man kann unterhaltsam nebeneinander fahren. Auf der Straße darf man das erst in Gruppen (geschlossener Verband) von 16 Radlern.

 

Mit Kindern: suchen Sie abwechslungsreiche Touren! Kurze bissige Steigungen nehmen die Kleinen gelassener als langanhaltend leichte. Wenn möglich, wählen sie sogenante Ravels, ehemalige zum Radweg ausgebaute Eisenbahntrassen.

Halten Sie die Räder der Kleinen in Schuß und achten sie auf die richtige Sattelhöhe, die beim regen Wachstum der Kleinen oft nachgestellt werden muß. Die Beine sollten an der Kurbel durchgestreckt werden können.

Ein zu niedriger Sattel strengt unnötig an, braucht viel mehr Kraft und verpulvert maßlos Energie. Bedenken Sie, dass Kinderräder im Vergleich zum Gewicht des Kindes relativ viel schwerer sind als Erwachsenenräder. Gönnen Sie ihren Kleinen leichte Räder ohne Schnickschnack wie schwere und kaum funktionelle Federungen. Ein leicht rollendes Rad bringt Kinder aufs Rad und flux vorwärts.

Kinder haben oft nur sehr begrenzt Sinn für die Schönheit der Landschaft. Sorgen Sie für Unterhaltung. Machen Sie kleine aber nicht zu viele Rennen, harmlose Attacken mit viel Gequassel. Vergeben Sie Namen bekannter Radsportler. Schaffen Sie durch Kommentare ein wenig Radsportatmosphäre. Singen Sie Lieder oder machen Sie Frage-/Antwortspiele. Erzählen Sie aus Ihrer Kindheit. Lenken Sie ab, wenn das Radfahren zu langweilig wird.

Lassen Sie Kinder altersgemäß Gepäck mitnehmen; die eigenen Regensachen, die eigenen Riegel oder Pausenmahlzeit, das eigene Getränk. Bei Reisen zumindest den eigenen Schlafsack. Der ist leicht, sieht aber riesig aus und verschafft ein Gefühl von Selbstständigkeit. Kinder haben wenig Gefühl für Streckenlängen und teilen Ihre Kräfte selten sinnvoll oder planmäßig ein. Hier müssen Sie mit Gefühl in die richtige Richtung animieren. Kinder verlieren von jetzt auf gleich jede Lust zum Weiterfahren. Setzen Sie überschaubare Zwischenziele mit kleinen Pausen. So motiviert schaffen auch 6-jährige Tagestouren von ca. 60-70km.

Der Nachwuchs ist kein Hindernis für Radtouren oder Radreisen. Fahrradanhänger bieten Platz und Komfort. Sie erschweren zwar das Erklimmen von Steigungen, beeinflussen aber nur wenig die Fahrstabilität von Treckingrädern.

Für die Kleinen sind Sie Schlaf-, Ess- und Spielzimmer. In Ihrer kleinen Behausung fühlen sie sich geborgen, sind gegen Regen geschützt und haben eine abwechslungsreiche Aussicht.

Anhalten, Ansprechen, Anbieten ...

Sie waren schon einmal mit dem Rad auf Reisen und haben zum Tagesende die Erfahrung gemacht, wie erleichternd es ist, endlich ein gutes Quartier gefunden zu haben, gut untergekommen zu sein?

Sollten Sie in der vorzüglichen Lage sein, ein Stück zelttaugliche Wiese zu besitzen und sehen Sie ein, zwei Stunden vor Sonnenuntergang Radreisende: Sprechen Sie diese an und bieten Sie eine Übernachtungsmöglichkeit. In der Regel wird man Ihr Angebot mit erlösten Gesichtern sehr dankbar annehmen.

ansichtssache-design 19.08.2014